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Turm und Fassade des Paula Modersohn-Becker Hauses von oben, Foto: Felix Clebowski  Turm und Fassade des Paula Modersohn-Becker Hauses von oben, Foto: Felix Clebowski

Architektur

Die Geschichte der Böttcherstraße reicht bis ins Mittelalter zurück. Die Straße stellte eine wichtige Verbindung zwischen Marktplatz und Weser dar. In ihr waren Böttcher, Fass- und Zubermacher ansässig. Als der Hafen Mitte des 19. Jahrhunderts verlegt wurde, begann die Böttcherstraße an Wichtigkeit zu verlieren.

Das heutige architektonische Gesamtkunstwerk Böttcherstraße geht zurück auf den Kaffee HAG-Kaufmann Ludwig Roselius (1874–1943), der die vom Verfall bedrohte Handwerkergasse von den Architekten Scotland & Runge sowie dem Bildhauer und Architekten Bernhard Hoetger (1874–1949) zwischen 1922 und 1931 fast vollständig umgestalten ließ.

Roselius-Haus

Das älteste Gebäude der Böttcherstraße ist das Haus Nr. 6, dessen Grundmauern vermutlich bis in das 14. Jahrhundert zurückgehen. 1588 wurde es im Stil der Renaissance neu erbaut. 1902 kaufte es Ludwig Roselius und nutzte es zunächst als Verwaltungssitz für die Firma Roselius & Co., aus der 1906 die Kaffee HAG (Kaffee Handels Aktien Gesellschaft) hervorging.

Mit dem Ziel seine umfangreiche Kunstsammlung in einem traditionellen Ambiente präsentieren zu können, ließ Roselius das Bauwerk vom Künstler Ernst Müller Scheeßel (1863–1936) sowie den Architekten Carl Eeg (1876–1956) und Alfred Runge (1881–1946) nach dem Idealbild eines mittelalterlichen bremischen Bürgerhauses umgestalten und mit einem markanten Treppengiebel versehen. Nach dem Abschluss der Bauarbeiten 1928 wurde es in Roselius-Haus umbenannt und als erstes Sammlermuseum Bremens der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

1944 wurde das Roselius-Haus bis auf die Fassade zerstört, nach dem Krieg dann originalgetreu wieder aufgebaut und als Museum wiedereröffnet.

Paula-Becker-Modersohn-Haus

Das Paula Modersohn-Becker Museum ist mit seinem einzigartigen, bewegten Baustil ein Hauptwerk expressionistischer Architektur in Deutschland. Ludwig Roselius – der es »lächerlich« fand, dass Bremens Besucher kaum Gelegenheit haben »sich von dem Werk dieser bedeutenden Künstlerin zu überzeugen«, und aus diesem Grund seine umfangreiche Sammlung öffentlich zugänglich machen wollte – beauftragte mit diesem Projekt den Künstlerfreund Modersohn-Beckers (1876–1907) Bernhard Hoetger. Am 2. Juni 1927 wurde das Haus eröffnet und von dem Bauherrn unter Voranstellung des Mädchennamens der Künstlerin »Paula-Becker-Modersohn-Haus« genannt.

Im Hof des Hauses, im sogenannten Handwerkerhof, befindet sich der Sieben-Faulen-Brunnen von Bernhard Hoetger und Werkstätten für Kunsthandwerker, die – von Ludwig Roselius initiiert und bis heute tradiert – in Schauwerkstätten hochwertiges Kunsthandwerk gestalten.

1936 ließ Roselius die Fassade Richtung Rathaus modernisieren: durch den Lichtbringer von Bernhard Hoetger. Von Hoetger als eine Hommage an Hitler gedacht, lies sich dieser jedoch auch davon nicht für die Böttcherstraße gewinnen: »Der Nationalsozialismus lehnt diese Art von Böttcherstraßen-Kultur schärfstens ab«, so Hitler 1936 auf dem Nürnberger Reichsparteitag.

Das Paula-Becker-Modersohn-Haus wurde 1944 stark zerstört, aber bis 1954 wiederaufgebaut. 1993 fand eine grundlegende Restaurierung durch die Sparkasse Bremen statt, welche die Gebäude 1988 erwarb. Im Zuge der Restaurierung wurde das Gebäude um das im Krieg zerstörte dritte Obergeschoss ergänzt.

Böttcherstraße vor 1921, Nr. 6 Fassade um 1900, Foto: Beckmann Eingang Böttcherstraße zw.1927 und 1936 Fassade der Böttcherstraße nach Süd-Ost, Foto: Rudolph Stickelmann Roselius-Haus von außen