Museen BöttcherstraßeMuseen Böttcherstraße

Eva Besnyö: Starnberger Strasse, Berlin 1931 ©Eva Besnyö / MAI

Angebote für Schulklassen zur aktuellen Sonderausstellung

Für Schulklassen aller Altersstufen bieten die Museen Böttcherstraße ein Vermittlungsprogramm an. Je nach Wunsch können auch Führungen mit Schwerpunktsetzungen organisiert werden, die sich als Einstieg in eine Thematik des Unterrichts genauso eignen wie als Anregung für Arbeiten im Kunstunterricht. Mittels altersgerechter Fragestellungen wird Kindern und Jugendlichen der Zugang zu den Werken erleichtert. Eine reguläre Führung dauert 45 Minuten, es können aber auch 60 Minuten vereinbart werden.

ANGEBOTE OHNE PRAXISANTEIL (45 oder 60 min.)

Führungen für SEK I + II

Themenschwerpunkt: Neues Sehen / Neue Sachlichkeit

Die beiden Kunstströmungen Neues Sehen und die Neue Sachlichkeit waren die Pole zwischen denen sich die Photographien von Eva Besnyö bewegen. In der Bildästhetik des Neuen Sehens dominieren ungewöhnliche Perspektiven, Bewegung, das Spiel mit Licht und Schatten sowie das Hervorheben unterschiedlicher Materialien. Die Neue Sachlichkeit wiederum steht für die Objektivität des Kamerabildes und arbeitet mit der streng formalen Ordnung des Gesehenen. Für beide sind überraschende Ausschnitte, die Schärfe des Bildes und die Betonung stofflicher wie abstrakter Strukturen kennzeichnend. Anhand verschiedener Beispiele der zahlreichen Photographien (über 80 Originalabzüge) Eva Besnyös lassen sich Bildaufbau, die Verteilung von Licht und Schatten und die daraus resultierende Bildaussage veranschaulichen. Die Photographien bleiben dabei auch Dokumentationen ihrer Zeit, aber vermitteln vor allem den künstlerischen Ansatz von Modernität und Aufbruch.

Eva Besnyö: Sommerhaus in Groet, Nordholland 1934

Eva Besnyö: Sommerhaus in Groet, Nordholland, 1934, Silbergelatine
© Eva Besnyö / MAI

Themenschwerpunkt: Lebenswege im 20. Jahrhundert am Beispiel Eva Besnyö

Als Eva Besnyö in den 1920er Jahren 18 Jahre alt war, beschloss sie Photographin zu werden. Ein damals sehr beliebter Beruf für junge Frauen. Ihre Eltern, insbesondere ihr Vater, der sich als Anwalt für ungarische Frauenrechtlerinnen einsetzte, unterstützten sie dabei. Nachdem sie ihre Ausbildung beim bekannten Budapester Porträt- und Werbephotographen József Pécsi abgeschlossen hatte, ging sie nach Berlin, um sich mit den modernen Strömungen ihres Metiers vertraut zu machen. Doch als Jüdin bekommt sie bald die antisemitischen Tendenzen in der damaligen deutschen Gesellschaft zu spüren. Sie beschließt nach Amsterdam zu gehen und findet in der Künstlerfamilie ihres späteren Ehemanns John Fernhout ein neues Zuhause. Hier erfährt sie nach und nach große Anerkennung als Künstlerin und wird zur führenden Photographin der niederländischen Architektur des Neuen Bauens. 1940 nach der Kapitulation der Niederlande im 2. Weltkrieg muss sie sich als Jüdin bei Freunden verstecken. Nur ein erfundener Stammbaum erlaubt ihr ein Leben außerhalb des Verstecks. 1945 heiratet sie den Designer Wim Brusse, nachdem sie sich bereits 1937 von John Fernhout getrennt hatte. Sie bekommt in den 1940er Jahren zwei Kinder und die Doppelbelastung als berufstätige Frau und Mutter lässt sie beruflich zurückstecken. In den 1970er Jahren wird sie dann die Forderungen nach Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern der zweiten niederländischen Frauenbewegung aus Überzeugung vertreten und durch ihre Photographien publik machen.

Themenschwerpunkt: Budapest, Berlin, Amsterdam

Die Photographin Eva Besnyö lebte in verschiedenen europäischen Großstädten und war hier mit ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Situationen konfrontiert. In ihrer Heimatstadt Budapest lernte sie die technischen Grundlagen im Photo-Atelier von Jozsef Pécsi kennen und ging ganz bewusst in das damals pulsierende Berlin, um mit den modernen Strömungen ihrer Zeit in Kontakt zu kommen. In Ungarn herrschte eine repressive Kulturpolitik, so dass viele ungarische Künstler emigrierten wie z.B. Lázsló Moholy-Nagy, Robert Capa oder Brassai. Auf der Basis des Neuen Sehens kreiert sie eine eigene Bildästhetik und verleiht durch ungewöhnliche Perspektiven und gekonntes Spiel mit Licht und Schatten Alltagssituationen eine besondere Bedeutung. Im Atelier von Dr. Peter Weller lernte sie die Besonderheiten der Auftragsphotographie kennen und profitierte von diesem Wissen auch in ihrer eigenen Selbstständigkeit. Als sie sich 1932 dafür entschied in die Niederlande zu John Fernhout zu ziehen, wird sie zwar mit offenen Armen in der Künstlerfamilie ihres Partners aufgenommen, aber in Amsterdam existiert keine mit Berlin vergleichbare Photographieszene. Es gab keine professionelle Reportagephotographie und auch für experimentelle Photographie keine Bezugspunkte. Umso erstaunlicher, dass sie mit ihrer ersten Einzelausstellung in Amsterdam, einen großen Erfolg erzielen konnte. In den Niederlanden setzte sie sich dann für die Anerkennung der Photographie als künstlerisches Medium stark ein.


ANGEBOTE MIT PRAXISANTEIL (90 min.)

Im Anschluss an die 45-minütigen Führungen durch die Ausstellung bieten die Museen Böttcherstraße im eigenen museumspädagogischen Raum die Möglichkeit zur praktischen Arbeit; das Material stellt das Museum kostenfrei zur Verfügung. Die Führung im Museum kann allgemein oder thematisch sein und legt einen Schwerpunkt auf das gewählte Praxisthema.

Für alle Schulstufen

Porträtphotographie

Im Laufe ihres Lebens hat Eva Besnyö zahlreiche Porträtaufnahmen geschaffen. Anfangs in ihrer Zeit in Berlin, waren diese vor allem vom Interesse am Spiel mit der Diagonalen geprägt. Später lassen sie diese formalen Interessen zwar niemals ganz los, aber treten stärker in den Hintergrund. Mal spielen Schatten eine wichtige Rolle, mal ist es gerade die direkte, schattenlose Aufnahme, die die Künstlerin in den Fokus rückt. Welche Arten von Porträts begegnen uns bei Eva Besnyö und was wird durch kleine und größere Requisiten im Zusammenhang mit der dargestellten Person zum Ausdruck gebracht? Im Atelier sind die Schüler und Schülerinnen nach der eingehenden Betrachtung verschiedener Porträts dann aufgefordert, gegenseitig Porträts (mit oder ohne Requisiten) zeichnend anzufertigen.

Eva Besnyö: Narda, Amsterdam 1937

Eva Besnyö: Narda, Amsterdam, 1937, Silbergelatine
© Eva Besnyö / MAI

Kriminalgeschichten

Manche Aufnahmen Eva Besnyös - allen voran die Photographie der Berliner Straßenkreuzung an der Starnberger Straße - erinnern an Kriminalgeschichten. So kann man hier an „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner denken. Aber auch andere Straßenszenen oder Landschaftsaufnahmen können die Fantasie anregen und zum Ausgangspunkt erfundener Geschichten werden. In diesem Rundgang spüren wir den Besonderheiten der Bildwelt Eva Besnyös nach und erfinden im Atelier eigene Geschichten ausgehend vom Gesehenen.

Eva Besnyö: Starnberger Strasse, Berlin 1931

Eva Besnyö: Starnberger Straße, Berlin, 1931, Silbergelatine
© Eva Besnyö / MAI

Für SEK I und II

Der photographische Blick

„Wenn ich mit der Kamera unterwegs bin, sehe ich die Dinge. Mit einer Einkaufstasche laufe ich an allem vorbei.“ So beschrieb Eva Besnyö selbst ihre eigene Wahrnehmung, die durch die Photographie geprägt wurde. Ganz allgemein lässt sich fragen, wie beeinflusst die Photographie unser Sehen? Erweitert Sie unsere Wahrnehmung oder fokussiert sie uns in Zeiten von sozialen Medien in besonderer Weise und schränkt sie damit ein? Denn reales und ideales Bild entsprechen sich bei weitem nicht immer einwandfrei. Manchmal kommt es sogar dazu, dass auch eine zerstörte Stadt, wie im Falle Eva Besnyös das zerbombte Rotterdam, zu ästhetischen Bildern umgewandelt wird. Im Atelier wird es darum gehen, im Banalen das Schöne zu entdecken. So stehen Alltagsgegenstände für eine eingehende Betrachtung bereit und wir suchen den idealen Winkel um die Dinge auf eine besondere Art und Weise darzustellen und abzuzeichnen.

 gegenseitig erstellen.

Eva Besnyö: Selbstportrait, Berlin 1931

Eva Besnyö: Selbstportrait, Berlin, 1931, Silbergelatine
© Eva Besnyö / MAI

 

Unser aktuelles Angebot für Schulklassen zum Download

 


 

KOSTEN

45-minütige Führung:
50 € (zzgl. 1 € Eintritt pro Erwachsenem)

60-minütige Führung:
57 € (zzgl. 1 € Eintritt pro Erwachsenem)

90-minütige Aktion (45 Minuten Führung / 45 Minuten praktisches Arbeiten):
65 € inkl. Materialkosten (zzgl. 1 € Eintritt pro Erwachsenem)

Schüler und Schülerinnen ab 18 Jahren sowie erwachsenen Begleitpersonen zahlen 1 € Eintritt.

ANMELDUNG

Tel. 0421-33882-22 oder info@museen-boettcherstrasse.de

Führungen für Schulklassen außerhalb der Öffnungszeiten sind, dienstags bis freitags ab 10 Uhr, auf Anfrage möglich!