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Interview: Laura Eckert, Sommergast 2016

Laura Eckert war 2016 der erste »Sommergast« der Museen Böttcherstraße. In der Ausstellung »Schichtwechsel« hat sie ihre aus Holzdielen gefertigten Köpfe sowie große Schichtholzarbeiten präsentiert. Mittlerweile ist mit Tim Eitel der vierte »Sommergast« in Bremen angekommen. Wir blicken zurück auf die Anfänge und freuen uns, dass Laura Eckert, die nach wir vor in Leipzig lebt und arbeitet, Zeit für ein Gespräch gefunden hat.

Frank Schmidt (FS): Wie geht es dir? Wie hast du die Corona-Zeit überstanden?

Laura Eckert (LE): Corona war ein großer Einschnitt. Aber wenn man alleine im Atelier ist, hat man die Möglichkeit, sich dahin zu flüchten. Und der Vorteil ist, dass man dort kaum jemanden sieht. Recht schnell war es dann möglich, Hilfen zu beantragen. Ausstellungen haben nicht stattgefunden, Galerien waren geschlossen. Aber dann ging der Markt wieder los. Ich persönlich bin relativ gut durchgekommen, weil ich auch gemerkt habe, dass die Leute, weil sie keine Reisen gemacht haben, sich Sachen nach Hause geholt haben und davon habe ich profitiert. Nicht im großen Stil, aber ich habe weiterarbeiten können.

FS: Und wie war das rein praktisch, wenn sich Leute interessiert und gekauft haben, sind sie dann direkt ins Atelier gekommen?

LE: Sie sind ins Atelier gekommen. Wir haben die Zahlen beobachtet, haben uns getestet, mit Maske im Atelier getroffen. Später dann über die Galerien, als das wieder ging.

FS: Was ist seit 2016 geschehen?

LE: Alles und Nichts. Alles im Sinne von ich habe ein Kind bekommen und Nichts, es hat sich nichts geändert, ich bin immer noch am Arbeiten, bin immer noch an meinen Themen dran, die sich Stück für Stück erweitern. Ich schwimme immer noch im gleichen Becken, nur wird es größer. Ich schwimme verschiedene Inseln an, Inseln, die vielleicht vorher auch weiter weg waren. Ich glaube, als ich die Ausstellung in der Böttcherstraße hatte, befand ich mich ein bisschen in der Analyse des Menschlichen, der Möglichkeiten, der Struktur. Wie wirkt unsere Welt auf uns und unseren Körper ein. Wie durchdringt sich das, wie manifestiert sich das am Körper, an dem Körper, den ich herstelle. Und jetzt geht es mehr in Richtung Visionen. Dass ich auch über Corona und die ganzen Weltuntergangsszenarien, die einem da so vorgespielt wurden, in den verschiedensten Variationen auf der Suche nach etwas war; was schafft denn einen Ausblick, was wäre denn meine positive Vorauserzählung, wo ist die Utopie? Ich bin von der Status Quo Analyse in Richtung Utopie gegangen. Das hat schon vorher angefangen, aber die Dringlichkeit, mich dem zu widmen, auch für meinen Geist, wurde noch ein bisschen vorangetrieben.

Arbeiten aus der Ausstellung im Jahr 2016

  • Laura Eckert, N.N. 14, 2016, Foto: Tom Dachs
  • Laura Eckert, Körper und Geist, 2013, Foto: Tom Dachs
  • Laura Ecker, M.I.A., 2015, Foto: Tom Dachs

FS: Hat sich deine Arbeitsweise geändert? Sind es nach wie vor die Materialien Schichtholz und Marmor, mit denen du dich auseinandersetzt?

LE: Schon, aber ich habe in einem Kurs mit Studierenden kleine Tonskizzen, Bozetti, Fingerübungen nach Modell gemacht, habe mitgemacht und dabei gemerkt, wie viel Spaß mir das macht, meine Hände da rein zu graben und das Material zu quetschen und zu biegen und trotzdem eine Figur im weitesten Sinne herzustellen, und meine Palette um eine Gestik zu erweitern, was ich mit dem Holz und dem Stein nicht so ohne weiteres kann. Daraus haben sich kleinere Figuren entwickelt, die sehr viel lebendiger sind, allein wie sie entstehen, weil ich nicht so an Statik gebunden bin und diesen Wahnsinns Aufbau habe, erst einmal etwas endlos zusammen leimen oder schwere Steine zu stapeln. Und ich habe dann gemerkt, ich hätte die gerne größer, weil ich brauche so etwas wie ein Gegenüber. So kleine Sachen sind schön, aber ich brauche was mit impact. Ich habe mich dagegen entschieden, das als Modell zu nehmen und dann größer aufzubauen. Sondern ich habe die Technik dazu genommen, sprich ich habe das zunächst 3D Scannen, dann vergrößert ausdrucken und schließlich in Bronze gießen lassen. So ist die Geste mehr ins Spiel gekommen und darüber hinaus ein neues Material. Ich fand das ganz schön, mich dieser neuen Technologie anzunehmen. In diesem Zusammenhang habe ich mich erneut mit Donna J. Haraway beschäftigt, mit ihrem Buch „Unruhig bleiben“, wo sie das Chthuluzän beschreibt, was auf das Anthropozän folgt. Sie ist ja auch sehr technikaffin und das hat mich inspiriert und mir letztlich auch die Legitimation gegeben, das so zu machen. Und es hat fantastisch funktioniert, finde ich. Zu merken, es funktioniert im Kleinen und es ist auch logisch, das in der Größe zu machen. Und wenn ich das modelliert hätte, dann hätte ich über jede Form nachgedacht, aber so bleibt die Spontanität erhalten und meine Fingerabdrücke sind nicht mehr Fingerabdrücke, sondern Faustabdrücke. Aber nichtsdestotrotz weiterhin Stein, weiterhin Schichtholz, weiterhin Köpfe

 

  • Laura Eckert, Meta 2, Bronze platiniert, 2021
  • Laura Eckert, Gruen, Rosa, Keramik glasiert, 2021
  • Laura Eckert, Break, Untersberger Marmor, mehrteilig, 2019, Installationsansicht: Woodsartinstitute/ WAI

FS: Du hattest damals ja keine feste Galerie, hat sich das mittlerweile geändert?

LE: Ich habe mehrere Galerien, in Deutschland in Österreich in Antwerpen und neu in Paris. Auch mit Ausstellungen geht es weiter. Gerade war ich zu sehen in Güstrow im Barlach Museum in einer Gruppenausstellung. Und im nächsten Jahr in einer privaten Stiftung in Holland und es entsteht ein neuer Katalog. Der erste nach dem bei euch in Bremen. Es sind ja auch seitdem einige Arbeiten dazu gekommen, aber ich werde das auch mischen, um zu sehen, wo kommt die Reise her und wohin geht sie hin.

FS: An was arbeitest du gerade?

LE: Mein nächstes Projekt ist auch dank eines Stipendiums, das ich bekommen habe, einen Raum zu konzipieren, der in Richtung Installation geht, wo ich einzelne Arbeiten kombiniere und diese evtl. mit Schrift aus meiner Recherche heraus und evtl. mit Sound und Fragmenten zusammenbringe. In den Galerien habe ich selten die Möglichkeit, einen derartigen Werkkomplex zu zeigen, weil es zu aufwändig ist. Als nächsten Schritt will ich einen Raum suchen und rumprobieren.

Ich habe auch Schablonen Arbeiten gemacht, also kein Schichtholz, und habe mir ausgehend von Zeichnungen Schablonen gemacht, ausgeschnitten und daraus Figuren zusammengesetzt, Es ist leicht zu durchschauen, fast schon mechanisch und trotzdem ist es handgemacht.

FS: No man, no woman is an island. Man schaut sich ja um, was so läuft. Hat denn Corona befördert, dass man gar nicht mehr schaut, was die anderen machen, sondern sich mehr auf sich besinnt?

LE: Das ist schon wichtig und das war natürlich sehr eingeschränkt. Aber ich bin Teil einer Künstlerinnengruppe, den Materialistinnen, mit acht Bildhauerinnen aus Leipzig und dort passiert der Austausch sehr gut. Aber ich muss schon sagen, dass ich eremitisch unterwegs bin, was meine Atelierarbeit angeht. Ich zeige Leuten selten etwas im Prozess, sondern eher am Ende und dann nehme ich die Meinung oder dass was es in mir bewegt hat, mit in die nächste Arbeit. Ich würde auch sagen, dass das Kind bekommen und weniger Zeit dadurch zu haben mehr Einfluss hatte auf mein soziales Leben als Corona.

FS: Vielen Dank, dass du uns einen Blick in dein aktuelles Schaffen gegeben hast. Ich freue mich auf deinen neuen Katalog, denn dein Bremer Ausstellungskatalog ist ja leider schon vergriffen. Viel Erfolg und alles Gute weiterhin!

 

Mehr zu Laura Eckert auf ihrer Website: https://www.lauraeckert.de/

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