Museen BöttcherstraßeMuseen Böttcherstraße

Fussgruss

Was Schüler*innen berührt

Der Kunst-Grundkurs der 11. Klasse der St. Johannis Schule, Bremen hat sich im letzten Halbjahr mit der Thematik unserer Ausstellung »Berührend - Annäherung an ein wesentliches Bedürfnis« beschäftigt und über die verschiedenen Bedeutungen der Berührung in der Kunst geredet. Wir als Museum freuen uns natürlich immer, wenn sich junge Menschen für unsere Ausstellungen interessieren, deswegen waren wir, genau wie die Lehrerin Stephanie Neumann und ihre Schüler*innen, enttäuscht, als wir gehört haben, dass die Klasse uns leider nicht persönlich wegen der Einschränkungen zum Schutz gegen das Covid-19-Virus besuchen konnte.

Umso begeisterter waren wir dann, als wir erfuhren, dass die Klasse kurzerhand Ihre eigene Ausstellung zu dem Thema erstellt hat.

In unserer Vitrine der Bürgerparktombola in der Sögestraße stellen wir nun die Kunstwerke von zehn Schüler*innen des Kurses aus. Egal ob als Fotografie, Bleistift-Zeichnung, Collage oder digitale Zeichnung auf dem Tablet - alle haben mit dem Leitmotiv der Berührung ihrer Kreativität freien Lauf gelassen und klasse Werke kreiert.

Ein besonderes Dankeschön gilt Stephanie Neumann, die dieses Projekt so in die Wege geleitet hat!


Das Projekt:

Auf ganz persönliche Weise haben sich zwölf junge Menschen mit diesem Thema auseinandergesetzt. Nachdem wir uns anhand der digitalen Angebote zur Ausstellung wie der filmischen Kurzführung mit der Ausstellung Anfang November intensiv beschäftigt hatten, haben wir als Gruppe überlegt, in welchen Bereichen Berührungen eine Rolle spielen und intensiv beteiligte Aspekte gesammelt.

 - S. Neumann

Um das Thema „Berührungen“ vollständig aufzunehmen, entschied ich mich sowohl die
emotionale, als auch die physische Berührung zu berücksichtigen. Für die emotionale Berührung beschäftigte ich mich damit, was einen Charakter prägt und eine Persönlichkeit ausmacht. Ich stieß auf Herkunft, Erfahrungen, zwischenmenschliche Beziehungen, sozialen Status, und Umfeld. Somit versuchte ich bei meiner Fotocollage diese Punkte zu berücksichtigen und Momente meines bisherigen Lebens darzustellen, die mich am meisten geprägt haben.

Um eine Berührung in das Bild mit einzubauen, habe ich mich der Corona Schutzmaßnahmen bedient, welche besagen, dass man persönliche Kontakte verringern soll. Daraus haben sich in der Gesellschaft schnell alternative Methoden gefunden, mit denen man sich gegenseitig begrüßen kann. So zum Beispiel das Grüßen mit den Füßen.  Die Gedankenblase soll verdeutlichen, dass wir uns trotzdem bald eine Rückkehr zur normalen Begrüßung mit Körperkontakt wünschen.

Collage aus ausgedruckten Geldscheinen

Ich hatte von Anfang an die Überlegung mit meinem Werk nicht nur die Berührung, sondern ebenfalls einen zeitlichen Wandel zu thematisieren.
Diese Arbeit thematisiert den Wandel vom Bargeld hin zu elektronischem Geld, der durch die aktuelle Situation beschleunigt wurde. Wenn man das Geld nicht sieht und berührt, das man ausgibt, verliert man vielleicht das Gefühl dafür und es „fliegt“ nur so davon.

Der erste Gedanke der mir zum Thema „Berührung“ kam, waren Hände, denn gerade physische Berührungen spielen für mich eine große Rolle in Freundschaften und Beziehungen. Fokussieren wollte ich mich ebenfalls auf die Charakterbildung durch das „Berühren“ der Leben zweier Personen. So wächst und entwickelt sich der Charakter durch Freundschaften, familiäre Bindungen und Aufeinandertreffen mit anderen Menschen.

Diese wollte ich symbolisiert durch Hände darstellen.

Mir war wichtig, dass im Bild zwei Personen zu sehen sind, damit man das Thema Berührung besser erkennen kann.
Mein Idee war, eine Frau zu zeichnen, dessen Herz von einem Mann gestohlen wird.
Meine Zeichnung soll den Betrachter zum Nachdenken anregen, da jeder mit diesem Bild gemeint sein kann. Das Bild habe ich extra heller gelassen und nur das Blut in Rot gezeichnet, um den Mittelpunkt der Handlung in den Vordergrund zu stellen.
Ich denke, man kann den Schmerz und die Trauer im Bild gut erkennen.

Der Titel des Selbstporträts bezieht sich auf die Reaktion meiner Mutter zu dem Bild:
Sie fand es zwar sehr schön, aber war sich unsicher, ob so was denn erlaubt sei. Das Selbstbild von Frauen wird stets von der Gesellschaft geprägt und bewertet; Frauen werden oft auf ihr Äußeres reduziert und ohne ihre Einwilligung sexualisiert. Außerdem fühlen sich viele Frauen nicht wohl in ihrem Körper, weil sie nicht dem Ideal entsprechen. Dieses Gefühl wollte ich in einer intimen Darstellung verarbeiten und durch die ästhetische Abbildung ein Werk von mir erschaffen, auf dem ich mich schön und liebenswert fühle. Die Berührung mit mir selbst bzw. meinen Unsicherheiten während des Herstellungsprozesses war mir wichtig. Die unangenehme Berührung, welche der Betrachter erfahren kann, soll zum Nachdenken anregen. Welche Gefühle kommen auf, wenn man das Selbstporträt sieht. Darf man das?

Für das Thema „Berührung“ haben wir eine Leinwand mit pink-blauem Hintergrund ausgearbeitet, in der wir beide mittig eine Tanz-Pose einnehmen. Wir haben viel überlegt, was alles mit Berührung zu tun hat. Vieles wurde uns richtig vor Augen geführt, woran wir zu Beginn nicht gedacht haben. Zum Schluss kann ich sagen, dass mir das ganze Projekt viel Spaß gemacht hat, weil Berührungen gerade in der heutigen Zeit fehlen und eine große Bedeutung haben.

Da Berührungen sich vor allem zwischen zwei Menschen abspielen, habe ich beschlossen, mich mit meiner Freundin zusammen zu tun und gemeinsam an einem Werk zu arbeiten. Grundidee war, das Bild aus zwei eigenständigen Werken zusammen zu setzen, die dann eine gemeinsame Wirkung haben sollten. In der gewählten Lösung geben wir uns den „kleine-Finger-Schwur“. Dafür haben wir uns entschieden, da Freundschaft für uns hauptsächlich Vertrauen bedeutet.

Berührung hat für jeden eine eigene Bedeutung und jeder hat eine andere Sichtweise dazu. Beim Zeichnen der Hand, welche auf meinem Gesicht aufliegen sollte, stieß ich dann auf die Frage, wessen Hand ich nehmen sollte, eines Mannes oder einer Frau? Dunkel- oder Hellhäutig? Allgemein soll mein Bild zur Selbstreflexion anregen und zeigen, dass Berührung in jeglicher Art subjektiv wahrgenommen wird.

  • Mutter sein, Künstlerin sein

  • Bild Nadja Buttendorf

    Weltfrauentag 2021

  • Selbstbildnis mit Maske

    2020 - ein persönlicher Rückblick

  • Selbstbildnis mit Maske

    2020 - ein persönlicher Rückblick

  • telefonische Fuehrung

    Kunst an der Strippe