Museen BöttcherstraßeMuseen Böttcherstraße

10 1 2 6 Vestibuel Totale n.S. Stickelmann 7331 Vestibül des Paula Becker-Modersohn Hauses, Vorkriegsaufnahme (vor 1944), Archiv der Böttcherstraße, Foto: Stickelmann

Johannes Graf

Erinnerung Dora
2023
Lithografie auf Büttenpapier, glasierter Ton
 
Memory Dora
2023
Lithograph on laid paper, glazed clay

 

Statement des Künstlers

Höhlen können als Schutzraum, als Versteck vor den Feinden und als romantisches Lager genutzt werden. Sie sind aber auch Orte, an denen Schreckliches, Abgrundtiefes geschieht. Von einer solchen Höhle, genauer von den Stollen des KZ-Lagers Dora in Nordhausen, handelt meine Arbeit.

Ich wandere hinunter, in der Vorstellung, dass Menschen nicht wussten, ob sie hier jemals wieder lebend ans Licht zurückkehren würden. Das ist ein sehr bedrückendes Gefühl. Über 10.000 Menschen verloren hier auf schreckliche Weise ihr Leben. Unter unmenschlichen, herabwürdigenden Bedingungen wurden sie in dieser Höhle zusammengepfercht. Sie leisteten Zwölf-Stundenschichten, lebten in der ständigen Angst der Sabotage beschuldigt zu werden, schliefen auf Brettern neben tausenden, hungernden, kranken und gebrochenen Anderen. Sie waren Sprengungsstaub, massiven Erschütterungen und Lärm ausgesetzt, Leichen stapelten sich neben ihnen. In den Stollen herrschte 8° Celsius Durchschnittstemperatur.

Dora war der Codename für das letzte KZ, das die Nazis errichteten. In einem zum Lager gehörenden alten Stollen bei Nordhausen wurden die V-Waffen V1 und V2 (Vorgänger der Atombombe) gebaut. Die Zivilgesellschafft duldete das Unrecht und sah weg. Ich kenne diesen Ort seit meiner Kindheit und uns wurde in der Schule davon berichtet, was dort geschehen ist. Das ist wichtig. Es ist wichtig, sich zu erinnern und ins Bewusstsein zu rufen, zu was Fremdenhass und rechte Ideologien führen können.

Erschreckenderweise hat sich in Nordhausen die politische Ausrichtung einer breiten Masse nach rechts verschoben, auch wenn ein AfD-Bürgermeister glücklicherweise verhindert werden konnte. Ein Gang durch das Viertel in dem ich aufgewachsen bin, lässt mich erschrecken wieviel Neonazi -Flyer und rechtsextreme Werbung hier hängt und offensichtlich hängen gelassen wird, toleriert wird. Ich bin motiviert dagegen etwas zu machen und fange sofort an zu kratzen und zu überlegen, was ich dem entgegensetzen kann. Ich möchte eine Erinnerungskultur und aus der Geschichte lernen.

 

Artist Statement

Caves can be used as shelters, as hiding places from enemies and as romantic camps. But they are also places where terrible, abysmal things happen. My work is about such a cave, more precisely about the tunnels of the Dora concentration camp in Nordhausen.

I walk down there, imagining that people didn't know whether they would ever return to the light alive. It's a very oppressive feeling. Over 10,000 people lost their lives here in a terrible way. They were crammed into this cave under inhumane, degrading conditions. They worked twelve-hour shifts, lived in constant fear of being accused of sabotage, slept on planks next to thousands of starving, sick and broken others. They were exposed to blasting dust, massive vibrations and noise, corpses were piled up next to them. The average temperature in the tunnels was 8° Celsius.

Dora was the code name for the last concentration camp built by the Nazis. The V-weapons V1 and V2 (predecessors of the atomic bomb) were built in an old tunnel belonging to the camp near Nordhausen. Civil society tolerated the injustice and looked the other way. I have known this place since I was a child and we were told about what happened there at school. That is important. It is important to remember and raise awareness of what xenophobia and right-wing ideologies can lead to.

Frighteningly, the political orientation of a broad mass of people in Nordhausen shifted to the right, even if an AfD mayor could fortunately be prevented. A walk through the neighbourhood where I grew up makes me shudder at how many neo-Nazi flyers and right-wing extremist advertisements hang here and are obviously tolerated. I am motivated to do something about it and immediately start scratching and thinking about what I can do to counter this. I want a culture of remembrance and to learn from history.

 

Biografie / Biography

geboren / born        1988

2006 - 2008            Fachoberschule Wirtschaft und Verwaltung

2009 - 2013            Hochschule für Künste im Sozialen Ottersberg

seit 2023                Student in der HfK/freie Kunst/Figurative Malerei/Klasse von Kati Heike Barath

 

Berufstätig in der offenen Jugendarbeit/Sozialwork

Projekte im öffentlichen Raum unter anderem mit SoFa e.V. in Achim und den Kubo e.V. in Bremen

Ehrenamtlich tätig im Kunst & Kulturförderverein Bahnhof e.V. Ottersberg

 

Ausstellungen / Exhibitions

2023     

Hochschultage HfK Bremen

Kunststation Bahnhof e.V

2022     

Kunststation Bahnhof e.V.

2021     

Kunstwerk im Viertel Bremen Lagerhaus