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5 Fragen an: Eva-Maria Lopez

Paris um 1900 war eine pulsierende Metropole. Hier spielte sich das Leben ab - auch in künstlerischer Hinsicht. Das gängige Kunstverständnis wurde hier radikal auf den Kopf gestellt, die Entwicklungen überschlugen sich fast. Mittendrin in diesem Kraftfeld waren Paula Modersohn-Becker und Bernhard Hoetger, die bei ihrer Suche nach einer eigenen, originären Bild- und Formensprache die entscheidenden Impulse in der Pariser Avantgarde fanden. Dieses Thema beleuchten wir in der aktuellen Sonderausstellung »AVANTGARDE - Bernhard Hoetger und Paula Modersohn-Becker in Paris« (bis 5. September 2021).

Doch wie lebt es sich als deutsche/r Künstler*in heute an der Seine? Hat Paris einen Teil seiner Inspirationskraft auf Künstler*innen behalten?

Die Künstlerin Eva-Maria Lopez lebt und arbeitet in Karlsruhe und Paris. In fünf Fragen und Antworten gibt sie uns einen Einblick in ihr persönliches Paris.

 

Warum gerade Paris? Was reizt Sie an der Stadt?

Paris ist eine Metropole mit einer großen kulturellen Vielfalt. Die Geschichte ist sehr präsent und mischt sich mit dem Zeitgenössischen auf eine andere Weise, als in anderen Städten: Dieser Spannungsbogen, sowie verschiedene Lebenssituationen, ist für meine Arbeit sehr wichtig. Für meine Projekte, ist die  Recherche in den Bibliotheken, mit ihren unzähligen historischen Dokumenten und spektakulären Gebäuden super. Inspirierend sind die Einflüsse aus vielen Kulturen im Alltag wie in der Kunst, von den alljährlichen chinesischen oder indischen Feiern bis zum Museum Guimet und Quai Branly.

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Wie sind Sie nach Paris gekommen und möchten Sie bleiben?

Vielleicht, weil Paris die erste Großstadt war, die ich besucht habe ..? Letztendlich durch ein Stipendium an der »Cité internationale des arts« habe ich Paris kennen und lieben gelernt. Einige Jahre später bin für ein Kunstprojekt über die Französische Revolution „Temple de la Raison“ zurück gekehrt und geblieben .... Möchte ich bleiben: ich denke schon, bis sich meine „blind spots“ gefüllt haben.

Gibt es Orte in Paris, die für Sie als Künstler / Künstlerin wichtig sind (Stadtteile, Cafés, Galerien, usw.)?

Neben dem Stadtteil Marais, mit seinen vielen Galerien, Cafés und Bars, sind das 18. und 19. Arrondissement interessant, da noch am authentischsten, auch wenn die Gentrifizierung überall voranschreitet ...
Interessant sind für mich oft Konferenzen über aktuelle Themen im Bereich von Kunst und Wissenschaft von Museen, Kulturinstituten oder private Einrichtungen organisiert.

Paris war früher die Kunstmetropole schlechthin: Spürt man das heute noch und wenn ja, wo?

Der Kunstmarkt ist generell international agierend, die global Player sind überall verortet. In Paris agieren zusätzlich private Stiftungen im großen Stil, von daher ist es immer noch eine Kunstmetropole - natürlich auf eine andere Art wie zu Paula Modersohn-Beckers und Bernhard Hoetgers Zeiten.
Beim Galerienrundgang im Marais und bei den Ausstellungseröffnungen ist das schon zu spüren. Was man hier vermisst, ist die sogenannte Off-Szene, Produzentengalerien und temporäre experimentelle Orte.

Insidertipp: Für Kunstinteressierte, die Paris besuchen: Welchen Geheimtipp können Sie nennen?

Neben den Galerien im Marais, abends einen Besuch ins Palais de Tokyo, bis Mitternacht offen; gegenüber, asiatische Kunst im Museum Guimet.
Zur Zeit leider nur noch nomadisch: La Colonie (von Kader Attia).
Für Photographie ist neben den Klassikern MEP (Maison Européenne de la Photographie), »Jeu de Paume« und Fondation Bresson, das »Le Bal« und Museum Albert Kahn mit seinem Park zu empfehlen.

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